Start
Profil
Aktuell
Kurse
Berichte
Kontakt



*

Berichte

Mein Ironman Erlebnis 2012

 

5100 km auf dem Fahrrad, 1400 km Laufen und 210 km Schwimmen. Macht insgesamt 6710 km. Diese habe ich in den letzten 7 Monaten zurückgelegt. Im Darmstädter Wald auf den Straßen des Odenwaldes, auf Mallorca, Zypern, Fuerteventura, im Meer, im Darmstädter Nordbad und Trainingsbad. Viele der Kilometer habe ich mit Andre zurückgelegt, viele alleine, manche im Verein.

Nachdem es letztes Jahr mit dem Start beim Ironman nicht geklappt hatte war die Motivation etwas gedämpft. Die Endtäuschung war noch sehr präsent. So richtig rund wollte es nicht laufen. Die geplanten Testwettkämpfe vielen wegen diverser kleinerer Erkältungen ins Wasser und das deutsche Winterwetter tat sein übriges dazu.

Erst als mit dem Frühling die Sonne und das Trainingslager auf Zypern kam fing das Training an wieder richtig Spaß zu machen. Triathlon ist einfach ein Sommersport und bei 3-4 Grad macht Rad fahren einfach nicht so viel Spaß. Und das fahren auf der Rolle vor dem heimischen Fernseher ist nun auch nicht der Renner.

Warum macht man so etwas, warum trainiert man über ein halbes Jahr für einen einzigen Wettkampf? Oft habe ich mir diese Frage gestellt. Worin liegt die Motivation? Eine genaue Antwort habe ich für mich persönlich nicht gefunden. Es sind mehrere Faktoren die eine Rolle spielen. Die eigenen Grenzen finden spielt dabei bestimmt eine große Rolle.

26 Jahre betreibe ich nun schon Triathlon. Viele meiner Vereinskameraden und Trainingspartner waren noch gar nicht auf der Welt als ich mit Triathlon begonnen habe. 1984 erzählte mir ein Bekannter von einer Veranstaltung in Darmstadt, die sollte ich mal unbedingt anschauen. Seine Worte habe ich bis heute noch im Ohr, „die schwimmen im Woog, dann fahren sie durch den Odenwald Fahrrad und laufen im Anschluss noch 10 km. Ich schaute mir das ganze an und 1 Jahr später war ich selbst dabei. Seitdem hat es mich nicht mehr los gelassen. Keiner Sache bin ich im Leben so treu geblieben wie dem Triathlonsport -;)

Die Langdistanz fehlte mir aber noch in meiner athletischen Laufbahn. Vielleicht auch einmal nach Hawaii. Ins Megga der Ausdauersportler. Für viele Triathleten ein Traum. Das absolute Highlight. Dieses Ziel hat gewiss zur Motivation mit beigetragen.

Doch wie weit kann man gehen und ist man bereit zu gehen, hält man die nächste Stufe der Qualen im Training noch aus? Oder will man diese noch aushalten? Die Psychische Bereitschaft ist meiner Ansicht genauso wichtig wie die physischen und orthopädischen Voraussetzungen.

Doch es ist unglaublich wie anpassungsfähig der Körper ist. Auch mit 50 kann man im Ausdauersport noch richtig Umfänge Trainieren ohne das es einem schlecht dabei geht. Das Wichtigste was man beachten muss ist, dass der Körper mehr Ruhephasen braucht und Tempoeinheiten wohl bedacht als Trainingsmittel eingesetzt werden.

Jeder der gerne Rennrad fährt hat schon einmal die Erfahrung gemacht wie schwer es am Anfang der Saison ist in Tritt zu kommen. Die Waden schmerzen, der Nacken krampft, die Hände wollen nicht mehr. Mit konsequentem Training verschiebt sich die „Schwelle des Schmerzes“. Irgendwann fährt man 150 km und läuft anschließend noch 10 km. Was vor wenigen Monaten noch unvorstellbar war, geht ohne Probleme. Oft bin ich selbst ins staunen geraten.

Die letzten Wochen vor dem „großen Tag“ sollen ja die wichtigsten sein, so steht es in den Trainingsbüchern. Hier kann man viel falsch machen. 5 Wochen vorher bekam ich eine dicke Erkältung. So wie ich sie seit mind. 8 Jahren nicht mehr hatte und die wollte auch nicht mehr von meiner Seite weichen. 2 Wochen Trainingspause, dann wieder lockeres einsteigen. Nicht ganz so wie ich mir das vorgestellt hatte.

Die Anspannung wuchs in den letzten 14 Tagen deutlich an. Und ich sehnte ich nach dem Startschuss. Jetzt wurde es endlich zeit das es los ging.

Die direkten Wettkampfvorbereitungen betragen bei einem Ironman 3 Tage. Am Freitag habe ich die Startunterlagen in Frankfurt abgeholt. Zu Hause habe ich dann die einzelnen Tüten gepackt. Wenn man etwas vergisst kann das ein jähes Ende des Wettkampfes bedeuten. Wenn du z. B. in Frankfurt vom Rad steigst und nimmst deine Tüte mit den Laufsachen in Empfang und es fehlen die Laufschuhe, dann wars das. Barfuß laufen ist beim Ironman nicht erlaubt.

Also, eine Tüte fürs Rad fahren, eine fürs Laufen und eine mit den Schwimmutensilien. Gefühlte hundert Mal habe ich in den Beutel geschaut und alles überprüft.

Am Samstag kam dann die Abgabe der Beutel und das einchecken des Rades.

Naja und dann sitzt man zu Hause und versucht sich abzulenken.

Nach einer kurzen Nacht. Klingelte der Wecker um 3:30 Uhr. Ja Ironman ist nichts für Langschläfer. 4:30 Uhr abfahrt zum Start. In Darmstadt waren wir noch alleine unterwegs aber je näher wir dem Langener Waldsee kamen desto voller wurde die Straße. Plötzlich waren da hunderte von anderen Athleten die alle das Gleiche vor hatten.

Die Sonne war am aufgehen und die Stimmung und angespannte Atmosphäre war einmalig. Da ist er nun der Tag auf den ich solange hin gefiebert hatte. Was würde er bringen. Die Strecken sind lang und es kann viel passieren.

2500 Athleten darunter knapp 300 Frauen aus 52 Nationen. Nach der Nationalhymne dann der erlösende Startschuss, endlich konnte die Anspannung in Energie umgesetzt werden. Die Tage vor dem Wettkampf sind für mich doch immer eine große Herausforderung. Die Anspannung wächst und ich muss Ruhe halten. Puuuuhh.

Der Start bei einem Ironman ist Gänsehautfeeling pur. Die Morgenstimmung, die vielen Zuschauer und Sportler.

Das Schwimmen hat richtig viel spaß gemacht. Leider stand der Wettergott nicht auf unserer Seite. Beim Wechsel aufs Fahrrad kamen schon die ersten Tropfen vom Himmel, bald goss es in strömen und in der Wetterau kam noch ein unangenehmer böiger Wind hinzu. Ein Erlebnis ist es 180 km auf einer gesperrten Strecke zu fahren. Keine lästigen Autos. Trotz des größtenteils schlechten Wetters hat das Radfahren Spaß gemacht. Die wahre Herausforderung war das Laufen. Der Magen krampfte bei jedem Schluck zu trinken, immer wieder musste ich das Tempo reduzieren und teilweise auch Gehpausen einlegen. Beim Halbmarathon hatte ich dann einen Durchhänger und wollte schon fast aufgeben. Doch meine vielen „Fans“ an der Strecke, besonders möchte ich hierbei Andre, Michèle, Uli, Edith, Karin, Steffi, Michaela und Sabrina erwähnen die bis zum Schluss durchgehalten haben, haben mir viel Mut zugesprochen. Bei km 22 ging es mir dann wieder besser und der Optimismus setzte sich wieder durch. Wenn es auch für Hawaii nicht reichen sollte so wollte ich doch ins Ziel kommen und dafür hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch viele Stunden zeit. Zielschluss ist um 22 Uhr und wir hatten gerade mal 17 Uhr.

Und es hat sich gelohnt. Die letzten Kilometer mit dem Ziel vor Augen liefen wie von alleine. Der Zieleinlauf in Frankfurt auf dem Römerberg mit dem ca 400 m langen roten Teppich und den vielen Zuschauern links und rechts der Absperrung ist der Hammer. Die Zuschauer bejubeln jeden einzelnen als wäre er der Sieger. In diesem Moment war ich der Sieger, der Held des Tages. Egal welcher Platz, egal welche Zeit. Einen Ironman geschafft zu haben ist schon ein überwältigendes Erlebnis.

Die Belohnung gab es dann noch am nächsten Tag bei der „After Race Party“ und Siegerehrung. Die Siegerehrung beim Ironman findet immer am Montag danach statt. Dabei gibt es auch ein reichhaltiges Buffet. Und ich glaube ich brauch keinem erzählen, dass hier ordentlich zugelangt wird. Der dritte Platz in der Altersklasse ist es dann doch noch geworden. 12:04:39 h, 1:01 h Schwimmen, 6:07 h Rad fahren und 4:48 h Laufen waren meine gemessenen Zeiten. 4 Minuten haben mir zu dem Hawaii Slot gefehlt. Aber was solls. Zu Hause steht nun ein schöner Pokal der mich an mein Erlebnis Ironman erinnert wird.

 

 

Zieleinlauf ironman Frankfurt